SYNDRY®
Systemisches Dry Needling für die Praxis

Fallbeispiele aus der SYNRDY®-Praxis

Systemisch neuroregulatives Dry Needling im psychosomatischen Kontext: Die Methode SYNRDY® verbindet präzises Dry Needling mit einer ganzheitlichen Perspektive auf segmentale, fasziale, vegetative und emotionale Zusammenhänge. Sie betrachtet muskuläre Schmerzen nicht isoliert, sondern als Ausdruck gestörter Körper-Feld-Dynamiken. Anhand von zwei typischen Beschwerdebildern zeigen sich Struktur, Tiefe und Wirksamkeit des Ansatzes.



Fall 1

Tiefer Schulterschmerz - „Sich nicht öffnen können“

Eine 30-jährige Patientin stellt sich mit einem tiefen, ziehenden Schmerz im Bereich des rechten Schulterblatts vor, der vor allem bei Außenrotation, Lageveränderung (z. B. beim Umdrehen im Bett) und längerem Sitzen spürbar wird. Gelegentlich zeigt sich auch ein rechtsseitiger Schmerz bei der Kopfwendung  im Sternocleidomastoideus (SCM) sowie ein Schmerz links im tiefen Rücken (ISG) beim Gehen. Der Schulterschmerz ist dumpf, schwer zu lokalisieren und wird als „innerlich blockierend“ beschrieben. In der Untersuchung zeigen sich Triggerpunkte im Infraspinatus, mit typischer Ausstrahlung in den Deltabereich und den dorsalen Oberarm, sowie Satellitentriggerpunkte im rechten SCM als Spannungsendpunkt der dorsalen Armkette. Der Infraspinatus steht ausserdem funktionell in Verbindung mit der dorsalen Rotationskette, die sich diagonal über den Rücken zieht und Einfluss u.a. auf Beckenverdrehungen hat, woraus sich eine Fehlstellung des ISG erklärt. Das Myotom C5 mit Bezug zur Außenrotation ist betroffen – mit segmentaler Kopplung zum Zwerchfell, Perikard und Lunge über die zervikothorakale Verbindung. Auch eine vegetative Beteiligung des Sympathikus ist spürbar: Engegefühl beim Atmen, emotionale Hochspannung, leichte Hyperventilationstendenz. Energetisch zeigt sich eine Verbindung zum Dünndarm- und Dreifacherwärmer-Meridian, die beide über die Schulterregion verlaufen und auf emotionale Abgrenzung, Entscheidungsfähigkeit und innere Unterscheidungskraft wirken. Die Anamnese ergibt Hinweise auf einen inneren Rückzug, emotionale Schutzhaltung, sowie Schwierigkeiten, Nähe zuzulassen oder sich „wirklich zu zeigen“. Die Patientin spricht von einem Gefühl, „immer eine Wand zwischen sich und anderen“ zu haben. Psychosomatisch steht die Symptomatik im Zusammenhang mit emotionalem Selbstschutz, ungelöster Konfliktscheu und einem unbewussten Muster, Verletzlichkeit zu vermeiden, indem man die Schulter „zurückzieht“ und sich körperlich wie seelisch nicht öffnet.


Das Dry Needling des Infraspinatus erfolgt in Bauchlage mit herabhängenden Armen, das des SCM in Rückenlage mit leicht zur Gegenseite gedrehtem Kopf. 
Eine Ausstreichung der Ketten und des Meridians mit Rosmarinöl (aktiviert u.a. thermosensible Rezeptoren) entspannen und lösen die Spannung symbolisch nach außen auf. Ein vegetativ beruhigender Akupunkturpunkt im Brustbereich (z. B. Perikard 6) wird begleitend eingesetzt, um Atem und Gefühl zu regulieren.

Unmittelbar nach der Behandlung berichtet die Patientin  ein Gefühl von innerer Weichheit, mehr Beweglichkeit beim Atmen und dem Eindruck, „die Schulter will nicht mehr fliehen“. Die Symbolik der geöffneten Schulter spiegelt sich in einem ersten emotionalen Kontakt mit dem Thema „Verletzlichkeit zulassen“. 





Fall 2

Serial Dry Needling des TFL – „Geste, Haltung, Blockade"

Ein 44-jähriger Patient, ambitionierter Freizeitläufer, stellt sich mit ziehenden, brennenden Schmerzen an der Außenseite des linken Oberschenkels vor. Die Beschwerden treten insbesondere beim Laufen, Gehen und nach längerer Belastung auf. Zusätzlich beschreibt er ein Gefühl von Instabilität in der Hüfte und eine eingeschränkte Schrittlänge links. Auch berichtet er über Spannungen im unteren Bauchraum. Bei der Palpation zeigen sich ausgeprägte Triggerpunkte im . Tensor fasciae latae (TFL) sowie eine fasziale Verdickung entlang des Tractus iliotibialis. Es handelt sich um ein klassisches Muster lateraler Überlastung – doch der Fokus liegt hier nicht allein auf der Mechanik. Die wahre Ursache liegt tiefer: in der emotionalen Geste des „Durchhaltens“. Die emotionale Geste als funktionelle Wurzel: Im Gespräch offenbart sich: Der Patient steht nicht nur im Sport „unter Zug“, sondern auch im Leben. Getrieben von inneren Antreibern, die kaum Pausen zulassen, zeigt sein Körper eine dauerhafte Haltung von Spannung und Vorwärtsdruck – unbewusst über Jahre eingeprägt. Seine linke Hüfte steht leicht vorgeschoben, das Becken kippt subtil nach vorn, das linke Bein trägt mehr Last – exakt die Geste, die der TFL dauerhaft hält: „Ich darf nicht loslassen. Ich muss vorwärts.“ Diese emotional fixierte Körpergeste wird zur Haltung – und aus Haltung wird Überlastung. 


Die Behandlung erfolgt in Seitenlage mittels Serial Dry Needling entlang der TFL-Faszienlinie – beginnend 2 cm hinter der SIAS, in 2 cm-Abständen bis zur Oberschenkelmitte. Jede Nadel wird einzeln gesetzt, für 30–60 Sekunden belassen – mit spontanen lokalen Zuckungen (sog. Twitch), vegetativer Atemvertiefung und einem sichtbaren Loslassen im Becken. Anschließend erfolgt die Ausstreichung entlang des Tractus iliotibialis (Gb-Meridian), ergänzt durch eine energetische Integration über Le 13 oder St 25 zur Lösung tiefer Bauchspannung. Die emotionale Ausleitung wird unterstützt durch gezielte Atmung über Le 3 oder Ni 1 – zur Rückverbindung mit innerer Stabilität. Segmental betrifft das Muster vor allem L2–L4, mit vegetativer Verbindung zur Blase, Prostata oder Uterus, sowie zum vorderen Oberschenkel.
Energetisch spiegeln Gallenblasen- und Lebermeridian das Spannungsfeld – insbesondere Gb 31 („Fallendes Knie“) und Le 10 („Innere Richtung“) zeigen die symbolische Entsprechung zur fehlenden inneren Mitte.

Bereits während der Behandlung spürt der Patient eine neue Zentrierung im Stand, das Becken wirkt geerdeter, die Hüfte „führt sich selbst“. In den Folgetagen verbessert sich das Gangbild deutlich. Die Schritte werden gleichmäßig, der Zug im ITB verschwindet. Der Patient formuliert es so: „Ich laufe jetzt wieder aus mir selbst heraus – nicht mehr nur weg von etwas.“



I





 Therapie und Unterricht

Termin vereinbaren